Lotsen-Projekt

AK5Zu Beginn war die Idee des Lotsenprojektes den Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft die Integration in den Stadtteil zu vereinfachen. Nachdem wir uns zunächst für die August-Kirch-Straße entscheiden hatten, merkten wir bald, dass es primär wichtig war, die Bewohner kennenzulernen, ein Vertrauen aufzubauen und regelmäßig vor Ort zu sein, damit wir ihnen bei alltäglichen Problemen helfen können. Die Integration richtete sich in dem Sinne eher auf die Integration in das deutsche System. In diesem Sinne dienen wir als Schnittstelle für die Bewohner in die Gesellschaft, in die sie sich in den nächsten Jahren mehr und mehr integrieren werden. Mit der Zeit wurde wir vom Lotsenteam auch wie eine Art Vermittler zwischen der Verwaltung und den Bewohnern. Da wir in einem geschützten Raum sitzen, Tee, Gebäck und Äpfel anbieten und ein Ohr für die Anliegen der Bewohner haben, die Kinder sich bei uns wohl fühlen und sich auf uns freuen, bekommen wir Informationen, die bei der Verwaltung nicht ankommen, die aber wesentlich beispielsweise für den Schutz der Kinder sind.

Der Begriff „Lotse“ leitet sich aus dem englischen loadsman ab, zu Deutsch „Geleitsmann“, und wenn ich dieses Bild auf die Arbeit des Lotsenprojekts beziehe, ist es ein sehr passendes Bild. Zu Beginn war vor allem die Sprachbarriere ein großes Problem und wir haben größtenteils mit Händen, Füßen und dank der neuen Technik der IPhone und den dort integrierten Wörterbüchern unterhalten können. Mittlerweile sprechen die Kinder so gut Deutsch, dass sie für ihre Eltern übersetzen und es passierte schon, dass ein kleines Mädchen aus Syrien mich traurig anschaute und ein bestimmtes Wort nicht mehr in der Muttersprache wusste. Doch das ist eine andere Geschichte.

Ein paar der jugendlichen Mädchen konnten wir in einen Basketball- und einen Turnverein vermitteln, die meisten in dem Altern sind ansonsten mit der Schule beschäftigt, kommen spät nach Hause und müssen dann noch Hausarbeiten machen. Bei den meisten Familien ist der Fokus in erster Linie darauf, dass sie vom Jobcenter Geld bekommen und über die Saga eine Wohnung finden. Letzteres erweist sich als sehr schwierig und ist zum Teil sehr frustrierend für die Bewohner. Unsere Aufgaben sind zum Großteil praktischer Art wie die Begleitung der Bewohner zu Behördengängen, die Kommunikation mit der Bank, Begleitung zur Elternberatung, zum Arzt, zu Wohnungsbesichtigungsterminen, zum Anhörungstermin im Asylverfahren, dem Ausfüllen von Dokumenten (Sozialhilfe, Jobcenter, Saga, Krankenkasse, Ärzte, Krankenhäuser, Schul- oder Kindergartenanträge, Anträge zur Familienzusammenführung und was sich sonst noch so ansammelt und nicht mit Hilfe der Verwaltung bearbeitet werden kann), medizinische oder therapeutische Unterstützung suchen, individuelle Angebote finden, in Sprachkurse vermitteln und Begleitung zum Eingliederungstest.

Da wir von ein paar Schülern gehört haben, dass sie Schwierigkeiten in der Schule haben, waren wir im Kontakt mit anderen Einrichtungen und haben uns um eine Hausaufgabenhilfe bemüht – ein Beispiel, wie wir versuchen die Bedürfnisse der Bewohner aufzugreifen und ihnen das Einleben in ihrer neuen Heimat zu vereinfachen. Damit die Frauen sich untereinander besser kennenlernen und eine sich unterstützende Gemeinschaft entsteht, haben uns auf die Suche nach einer Frühstückskooperation gemacht. In Osdorf haben wir ein Angebot gefunden und allen Frauen Bescheid gesagt, dass wir an einem Freitagmorgen einen Ausflug mit ihnen zum Bürgerhaus Bornheide machen möchten, die jeden Freitag ein internationales Frauenfrühstück anbieten. Dadurch konnten wir auch die Frauen besser kennenlernen und sie haben sich sehr gefreut etwas zu unternehmen, raus aus der Unterkunft zu sein und wollten gerne wieder dorthin fahren. Allerdings merken wir auch, dass die Freizeitgestaltung je nach kulturellem Hintergrund und der jeweiligen Sozialisation sehr verschieden sein kann. Immer wieder werden wir zum Essen eingeladen und die Frauen möchten gerne mit uns einen Ausflug machen oder Frühstücken gehen, kochen. Die jungen Männer haben wir versucht für verschiedene Freizeitangebote wie Klettern, Basketball oder Kampfsport zu begeistern, doch die festen Zeiten und die regelmäßige Anwesenheit um eine Verbindlichkeit gegenüber einem Verein oder Trainer zu zeigen, waren zu große Hindernisse.

Stimmungsbericht