Seele am Abgrund

Seele am AbgrundIch will schreien,
ich will mich auflösen,
ich will rennen,
bis die Welt aufhört.
Bis ich meinem Atem
gegenüberstehe
und der Rauch sich im All verliert.
Ich will als unsichtbare Bombe explodieren,
ein Luftloch als Durchgang nutzen
und Sternenstaub hinterlassen.
Ich will mein Tränenkleid
an einen Nagel hängen,
zu meinem Zaubermantel greifen
und die Welt mit einer Seifenblase erkunden.
Ich will zu dem Punkt zurücklaufen
an dem ich anfing zu sterben.
Ich will die Bäume fragen,
wer mich verfolgt hat
und unter den Blättern
auf dem Boden
nach Spuren meiner selbst suchen.
Aber ich stehe an der Klippe
und weiß,
dass ich da unten liege.
Bin ich damals mit Dir gesprungen?
Jetzt haben wir uns nichts mehr zu sagen.
Und immer wieder bin ich gesprungen,
während ich am Tisch sitze und esse,
während ich den Schlüssel aus der Tasche nehme,
während ich zur Bahn renne,
während ich mir eine Kippe anzünde
und während ich neben Dir sitze,
wild gestikuliere,
mich vor Lachen auf dem Boden krümme
oder konzentriert zuhöre.
Und wenn Du meine Welt betrittst,
wirst Du die Klippe sehen.
Wenn Du das Spiel kennst,
wirst Du die Regeln brechen
und mich halten.
Aber die Klippe ist der Eingang
in meine Welt.
Mit wunderschönen Sonnenuntergängen,
sicherlich,
einem klaren Sternenhimmel,
einer Tasse am Kamin
und einem Bett im Segelboot.
Aber hast Du den Mut zu springen?
Hast du den Mut mich springen zu lassen?
Du bist es nicht,
es ist der Sog in die Tiefe.
Ich bin es,
die längst gesprungen ist,
deren Seele sich damals teilte
und seitdem das Leben an jenem Abgrund sucht.