„This is so contemporary“ 2018

Performerin für Tino Sehgal im Martin Gropius Bau, Berlin

Das Museum ist für gewöhnlich ein Ort, an dem materielle (Er-)Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt gesammelt, bewahrt, erforscht und ausgestellt werden. Doch die Werke des in Berlin lebenden Künstlers Tino Sehgal sind keine materiellen Objekte. Er konstruiert Situationen, generiert soziale Interaktionen, von denen nichts bleibt außer der individuellen Erfahrung der Besucher und der anekdotischen Erinnerung, denn Tino Sehgals Arbeiten hinterlassen keine materiellen Spuren, werden nicht aufgezeichnet und dokumentiert. Wie kein*e andere*r Künstler*in seiner Generation steht der Berliner Tino Sehgal für eine radikale Neubestimmung der Kunst und ihrer Erfahrung. Sein Medium sind die menschliche Stimme, körperliche Bewegungen und soziale Interaktion. Interpreten treten über Gespräche, Gesang und Choreographie in Kontakt mit Besucher*innen und Zuschauer*innen, die auf diese Weise in die Arbeiten einbezogen werden. Obgleich sie sich nie in einem Objekt materialisieren, entsprechen Sehgals Arbeiten allen Konventionen von Ausstellungskunst: Sie sind während der gesamten Öffnungszeiten der Institution präsent; sie werden ge- und verkauft wie konventionelle materielle Kunstobjekte, und sie gehen in museale und private Sammlungen ein. In dieser Praxis realisiert sich ein grundlegend neues Verständnis des Kunstwerks, das dauerhaft besteht obgleich es sich nur in Körpern materialisiert; das seiner Umgebung kein Objekt hinzufügt und dennoch intensiv und nachhaltig auf sie einwirkt.

Regie: Tino Sehgal
Zeitraum: 29.06. – 08.08.2018